Ich bin Berit
Das ist meine Geschichte – und warum ich heute Frauen begleite, ihr Leben wieder nach sich selbst auszurichten.
Aufgewachsen bin ich im Grenzgebiet der früheren DDR nahe Berlin – im christlichen Sozialwerk meiner Eltern auf dem Gelände einer ehemaligen NVA-Kaserne. Gemeinsam mit vielen Tieren und mehreren Dutzend ehemaligen Straftätern, Drogen- und Alkoholabhängigen.
Meine Mutter, Ärztin, und mein Vater, der selbst aus einem ähnlichen Milieu kam wie die Bewohner des Sozialwerks, halfen mit ihrer Arbeit Menschen mit großen Lebensbrüchen, zurück in ein geordnetes Leben zu finden.
Der Hauptfokus meiner Eltern lag auf dem Führen ihres Sozialwerks.
Ich war von klein auf viel mir selbst überlassen.
Meine Mutter hatte die Haltung, dass Kinder im Alltag einfach mitlaufen.
Schon früh spürte ich, dass ich meinen eigenen Platz finden musste in einer Welt voller unvorhersehbarer Stimmungen und vom Leben besonders geforderter Erwachsener.
In unserer Nachbarschaft gab es kaum Kinder.
Über sieben Jahre bettelte ich meine Eltern immer wieder um ein Geschwisterchen an.
Um weniger allein zu sein, erfand ich mir einen gleichaltrigen Fantasiefreund.
Mit ihm verbrachte ich viel Zeit – genauso wie mit den Tieren auf unserem Hof oder den Bewohnern des Sozialwerks.
Das Gefühl, nicht zu wissen, was mich erwartet, begleitete mich durch meine ganze Kindheit.
Mein Vater litt unter starken Stimmungsschwankungen.
Mit einiger Übung konnte ich an den Schlüsselgeräuschen unserer Wohnungstür erkennen, mit welcher Stimmung er nach Hause kam.
Wenn mein Verhalten nicht seinen Erwartungen entsprach, haute er mir, bis ich etwa vier Jahre alt war, auf den Hintern.
Später änderte er seine Methode und strafte mich stattdessen mit tagelangem Schweigen und Liebesentzug.
Die Beziehung meiner Eltern war oft angespannt.
Wenn sie sich stritten, war ihre Wut bis auf den Hof hinauszuhören.
Immer wieder warfen sie sich Dinge hinterher – und die Streitereien eskalierten auch körperlich.
Nach so einem Streit verließ mein Vater wortlos das Haus und kam erst am nächsten Morgen zurück.
Meine Mutter blieb und ließ sich von mir trösten oder ging ebenfalls.
Eine meiner größten Ängste als kleines Mädchen war immer, dass sich meine Eltern trennen würden.
Für mich war meine Aufgabe klar – ich musste alles tun, um das zu verhindern.
Als ich mit acht Jahren eine kleine Schwester bekam, fühlte ich mich mit ihrer Geburt automatisch für sie verantwortlich.
Wenn sich unsere Eltern stritten, versuchte ich sie vor dem Lärm zu beschützen –
ich nahm sie mit in mein Zimmer und sang ihr vor.
Als Kind wünschte ich mir vor allem die Liebe und Nähe meiner Eltern.
Die Natur ihres Berufs und die Tragweite ihrer Arbeit machten es mir schwer, ihre ungeteilte Aufmerksamkeit zu bekommen.
Ich erinnere mich, dass sie sich für mich oft unerreichbar anfühlten –
während sie für ihre Mitarbeiter und die Bewohner des Sozialwerks ständig abrufbar waren.
Meine Mutter sah ihre Arbeit als Verantwortung, die getan werden musste, und saß oft bis spät nachts in ihrem Büro oder arbeitete nach dem gemeinsamen Abendessen bei uns zu Hause weiter.
Sie sagte immer wieder, dass sie Dinge gern praktisch verbindet – zum Beispiel Gartenarbeit, bei der ich neben ihr im Beet stand, oder das Familienessen am Samstag im Sozialwerk gemeinsam mit den Bewohnern.
Manchmal bedeutete gemeinsame Zeit auch Leistung – etwa wenn wir zusammen eine Prinz-Regententorte mit acht Böden backten.
Die wenigen Momente, in denen ich sie wirklich ganz für mich hatte, waren meist klar umrissen – wie die Zeit am frühen Morgen, wenn sie mir zwischen sechs und halbsieben meine Pausenbrote schmierte und sagte, dass dies die einzige Zeit am Tag sei, die wirklich uns beiden gehört.
Ich lernte früh, dass ich die liebevolle Zuwendung meiner Eltern am ehesten bekam, wenn ich mich an sie und ihren beruflichen Alltag anpasste, mich anstrengte, ruhig verhielt und mithalf.
Ich tat alles, um ihnen nicht zur Last zu fallen und versuchte, mich praktisch unsichtbar zu machen – denn nur so konnte ich bei ihren Dienstbesprechungen, Großeinkäufen, Arbeiten auf dem Werksgelände und bei medizinischen Notfällen mit dabei sein.
Wenn ich müde wurde, schlief ich unter den Schreibtischen im Büro oder oben auf den alten Kachelöfen im Sozialwerk. Als ich älter wurde, sortierte ich die Akten meiner Mutter in ihrem Büro oder bügelte die Wäsche unserer Familie.
Mein Anpassen wurde zu meiner Strategie, um mich zugehörig zu fühlen.
In der Schule half mir diese Strategie indes nicht weiter.
Ich orientierte mich auch hier an den Bedürfnissen und Vorstellungen meiner Mitschüler, doch statt echter Zugehörigkeit erlebte ich Gemeinheiten, Drohungen und Ausschluss.
Ich war ratlos und wusste nicht, an wen ich mich wenden sollte.
Niemand half mir, bis mein Vater ein Machtwort sprach und sich die Spannungen zu meinen Mitschülern noch weiter zuspitzten.
Mein Vater versicherte mir immer wieder, dass er mich beschützen würde, wenn mir etwas zustoße oder jemand nicht nett zu mir wäre.
Er hatte ein charismatisches Auftreten und war gleichzeitig dominant und autoritär im Umgang mit anderen.
Er trug eine Rolex und besaß eine deutsche Dogge.
Niemand traute sich, ihm zu widersprechen, aus Angst vor seiner Unberechenbarkeit.
Mein Vater war ein guter Lehrer.
Er brachte mir vieles von dem bei, was er gern tat – Autofahren, Tapezieren, Billard spielen, Holzarbeiten und Gewichte stemmen.
Und wir teilten unsere Begeisterung fürs Kickboxen: Ich am Schlagpolster, er an der Seitenlinie.
Seine Launen führten bei mir dazu, dass ich ihm immer alles recht machen wollte.
Wenn er eine schwierige Phase hatte, versuchte ich, Lösungen für seine Probleme zu finden und Harmonie zu Hause herzustellen. Ich suchte nach passenden Worten und nach Momenten, in denen er erreichbar schien – damit er sich gesehen fühlte.
Oft fühlte ich mich wie die Erwachsene, während mein Vater der Teenager war.
Mitten in meiner Pubertät wurde mein Vater rückfällig – damals hörte er auf, Papa zu sein.
Wir verbrachten kaum noch Zeit miteinander.
Er hörte auf, mir Neues beizubringen, und blockte meine Annäherungsversuche immer häufiger ab.
Oft sagte er zu mir: „Du ziehst ja eh bald aus“ – es war seine Rechtfertigung dafür, dass er auf Distanz zu mir ging.
Mich verletzte sein Verhalten und gleichzeitig gab mir seine Distanz auch Ruhe und Raum.
Mit achtzehn, kurz vor meinem Abitur, trennten sich meine Eltern – der Bruch, dessen Vorstellung sich seit meiner Kindheit wie ein Kloß in meinem Hals anfühlte.
Der Wendepunkt
Einige Wochen später standen mein Vater und ich auf dem Spielplatz gegenüber unseres Hauses.
Er sprach über sich – über das, was ihm widerfahren war, über die Fehler der anderen und seine eigenen.
Ich hörte zu – wie ich es immer getan hatte – bis ich nicht mehr konnte.
Meine Stimme zitterte.
Und dann schrie ich ihn an:
„Es reicht!“
Ich war es so leid, dass er die Fehler immer im Außen suchte.
Ich hatte genug davon, dass ich diejenige sein sollte, die sich um ihn kümmert.
In diesem Moment wurde mir klar: Egal, wie sehr ich mich anpasse, mich anstrenge und mich um andere sorge – es wird mir nie das gewünschte Ergebnis bringen: Liebe, Nähe und Aufmerksamkeit von den Menschen, die mir am allerwichtigsten waren.
Dieser Moment mit meinem Vater im Park gegenüber unserem Haus wurde zu einem Schlüsselmoment für mich – und zum Beginn eines neuen Selbstverständnisses.
Nach achtzehn Lebensjahren erkannte ich: People Pleasing funktioniert nicht mehr für mich.
Aus diesem Moment im Park heraus begann für mich ein neuer Prozess.
Kein radikaler Bruch – sondern eine langsame, ehrliche Veränderung.
Ich begann, mich selbst kennenzulernen.
Zu verstehen, was ich brauche – und was nicht.
Meine eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen, statt sie zu übergehen.
Und Grenzen zu setzen, wo ich früher alles zugelassen hätte.
Ich baute mir Stück für Stück das Leben auf,
das ich mir lange gewünscht hatte.
Ich ging für ein Jahr in die USA, begann, mich therapeutisch mit meiner eigenen Geschichte auseinanderzusetzen, und konnte mich zum ersten Mal auf eine tiefe, tragende Partnerschaft einlassen und begann meine Ausbildung zur integralen Business Coach.
Was ich erkannt habe
Wir können selbst bestimmen, in welche Richtung sich unser Leben entwickelt.
Wenn wir den Mut finden, mit Mustern zu brechen, die uns schaden, und beginnen,
nach uns selbst und unseren Bedürfnissen zu handeln,
können wir uns Schritt für Schritt ein Leben aufbauen, das sich wirklich nach unserem eigenen anfühlt.
Ich trauere um das, was war – und um das, was nie so sein wird, wie in meiner kindlichen Vorstellung.
Und gleichzeitig habe ich mich bewusst dafür entschieden, mein Leben nach mir selbst auszurichten.
Weil alles andere mich ausbrennt.
Meine Arbeit heute
Genau aus diesem Weg heraus begleite ich heute als integrale Business Coach Frauen dabei, wieder mit sich in Verbindung zu kommen.
Sie lernen, ihren eigenen Bedürfnissen mehr Raum zu geben, für sich einzustehen und ihr Leben so zu gestalten, dass es sich wirklich nach ihrem eigenen anfühlt.
Weil ich aus eigener Erfahrung weiß, wie viel sich verändert, wenn wir beginnen,
nach uns selbst zu handeln – und nicht mehr nur nach dem, was im Außen von uns erwartet wird.
Aus meiner Geschichte weiß ich, wie viel sich verändert,
wenn wir beginnen, nach uns selbst zu handeln.
Und genau deshalb bestärke ich heute Frauen darin,
ihr Leben nach sich selbst auszurichten.
Berit Böhme
Expertin für Selbststreue
Integrale Business Coach